In der vergangenen Woche war Dr. Janek Guerrini bei uns in der Ferring Stiftung. Er kommt aus Italien und arbeitet als Linguist an der Universität Padua. Sein Forschungsgebiet ist die Semantik – die Erforschung sprachlicher Bedeutung. Ihn interessiert, nach welchen unbewussten Regeln unser Sprachsystem aus Wörtern und Satzstrukturen komplexe Bedeutungen zusammensetzt und was uns das über die menschliche Kognition verrät. Sprache ist für ihn ein Fenster in die „Software“ unseres Geistes.
Auf Föhr untersucht er, wie verschiedene Pluralausdrücke im Fering verwendet werden, etwa „hingster“ ohne Artikel, „a hingster“ und „dön hingster“. Dabei geht es um die Frage, ob wir beim Sprechen über Gruppen drei grundlegende Perspektiven unterscheiden: Pferde als Kategorie allgemein, Pferde in einer bestimmten Situation oder bestimmte Pferde, auf die bereits Bezug genommen wurde – oder ob zwei dieser Perspektiven auf derselben grundlegenden Struktur beruhen. Hierzu sprach er auf Föhr mit verschiedenen Muttersprachlern, darunter auch mit unserer Kollegin Heike Volkerts..
Fering ist in der theoretischen Linguistik vor allem wegen seines Artikelsystems bekannt. Die Föhrerin Karen Ebert hat es grundlegend beschrieben. Später wurde Fering unter anderem durch die Arbeiten des Semantikers Florian Schwarz zu einem wichtigen Beispiel dafür, wie Sprachen unterschiedliche Arten ausdrücken können, auf Dinge und Gruppen Bezug zu nehmen. An diese Forschung knüpft Guerrini mit seiner Arbeit auf Föhr an.
